Grass & Celan in der Grass Galerie Digital

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Grass & Celan in der Grass Galerie Digital

Die erste digitale Ausstellung in der Grass Galerie Digital beschäftigt sich mit der innigen, aber komplizierten Freundschaft zwischen dem Lyriker Paul Celan und Günter Grass. Beide lernten sich 1956 in Paris kennen, als Celan dort bereits lebte und Grass mit seiner Frau Anna eine Zwei-Zimmer-Wohnung bezog. Celan schätzte und verehrte den jüngeren Grass, der sich wiederum von der Sprachkraft Celans inspirieren ließ – bei einem Calvados, gerne auch bei zwei Gläsern. Die „Todesfuge“, eines der meistübersetzten Gedichte deutscher Sprache, hat Celan berühmt gemacht. Darin spiegelt sich die Verfolgung der Juden durch den Nationalsozialismus und damit seine eigene Geschichte; darin verarbeitet er die Ermordung seiner Eltern. An Ingeborg Bachmann schrieb Celan einmal, „dass die Todesfuge auch dies für mich ist: eine Grabschrift und ein Grab. … Auch meine Mutter hat nur dieses Grab.“

Übrigens hat Paul Celan 1952 ein Gedicht mit dem Titel „Corona“ veröffentlicht. Dabei handelt es sich nicht um eine pandemische Vorsehung, sondern wohl eher um den Blick in den Sternenhimmel. Der Autor Hans Christoph Buch schrieb dazu in der „Welt“: „Petris Fremdwörterbuch von 1889 vermerkt zum Stichwort Corona: Krone, Kranz, Tonsur, Mannschaft, Sippschaft, syphilitischer Ausschlag. Keine dieser Bedeutungen passt zu Celans Gedicht, wohl aber der Hinweis auf die von Perseus verlassene Ariadne, die ihm mit ihrem Wollknäuel zur Flucht aus dem Labyrinth verhalf. Der Weingott Dionysos verliebte sich in Ariadne und versetzte sie nach ihrem Tod an den Nachthimmel, ins Sternbild der Corona.“ Ein metaphorisches Bild für die wechselvolle Beziehung Celans zur Dichterin Ingeborg Bachmann? Hans Christoph Buch vermerkte, dass er den Hinweis auf das Sternbild der Ariadne Anna Grass, der ersten Ehefrau von Günter Grass, verdanke. Das Gedicht „Corona“ ist ebenso wie die „Todesfuge“ im Band „Mohn und Gedächtnis“ enthalten, für den Celan 1958 mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Die Ausstellung „Ich bin nicht unversöhnlich, Günter“ folgt den Celan-Grass-Spuren in Paris, in Bremen und im Politikbetrieb der jungen 60er Jahre. „Ich halte es für eine Bereicherung“, sollte Günter Grass später sagen, „wenn die nachwachsende Generation ein Gedicht von Paul Celan auswendig sagen könnte.“ Anlass der Ausstellung ist der Geburtstag von Paul Celan, der sich 2020 zum 100. Mal jährt.

Eintritt frei

Die Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen präsentiert Ihnen diese Ausstellung mit freiem Eintritt. Installieren Sie jetzt das kostenlose virtualum und laden Sie die Ausstellung über virtualum herunter.

Grass Galerie Digital

Erfahren Sie hier mehr zur Grass Galerie Digital, der digitalen Galerie der Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen in virtualum.

Anbieterinformationen

Die Grass Galerie Digital und die Ausstellung „Grass und Celan“ werden von der Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen angeboten. Mehr Informationen zur Stiftung erhalten Sie hier.

Danksagungen

Herzlichen Dank den Förderern

Dr. Klaus Meier
Die Sparkasse in Bremen AG

Herzlichen Dank den Leihgebern

Akademie der Künste Berlin
Anna und Bruno Grass
Bertrand Bardiou, Paris
Deutsches Literaturarchiv Marbach
dmfilm und tv produktion
Günter und Ute Grass Stiftung Lübeck
Helmut Böttiger
Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg
Marietta Armena
Rosemarie Rospeck
S. Fischer Verlage
SWR Südwestrundfunk
Verlagsgruppe Random House
Wolfgang Emmerich

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