Künstlerinnengespräch mit der Bremer Dichterin Anna Ribeau

Künstlerinnengespräch mit der Bremer Dichterin Anna Ribeau

Im September 2021 trafen wir, das Team von virtualum, die Dichterin Anna Ribeau endlich persönlich in Bremen. Vorausgegangen waren Telefonate und Emailkontakt, da Anna Ribeau sich mit Interesse an einer 3D Ausstellung zu ihrem WortOrt an uns wandte.

Anna Ribeau ist Dichterin und Künstlerin. Sie hat eine besondere Art und Weise Worten einen Ort zu geben, mit ihnen zu spielen und sie ganz neu zu inszenieren. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Bremen. Sie studierte Literatur und -Sprachwissenschaft, Psychologie, Politik und Pädagogik an verschiedenen deutschen Universitäten. Doch am meisten hat sie das Leben selbst geprägt, die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen und Orten. Die Künstlerin arbeitet seit Jahren im pädagogischen Bereich.

Während der Corona Pandemie began Anna Ribeau mit ihren Projekten STILLZEIT und UmKreisGehDicht.
„In einer Zeit in der es an vielen kulturellen Begegnungsorten still geworden ist, habe ich diese stillen Orte aufgesucht, um dort mit meinen „GehDichten“ [auf Leinwand gebrachte Wortspiele] eine STILLZEIT abzuhalten. Das habe ich fotografisch in einer Art Stillleben festgehalten. Für meine STILLZEIT hat mir ein großes Kino die Türen geöffnet, das monatelang ohne Besucher war, ebenso ein Museum, ein Café, ein Musik Club, ein Planetarium und andere spannende Orte“, beschreibt die Dichterin ihre Projekte.

Bei ihrem Projekt UmKreisGehDicht stellt sie sich die Frage, wie Kunst in einer Zeit, in der soziale Distanz angesagt ist, stattfinden kann. Für das Projekt hat sie Menschen in ihrem näheren und weiteren Umkreis aufgesucht, die für ein GehDicht jeweils ein Wort aus ihrem Fenster halten. Diese FensterWortFotos hat sie je nach Himmelsrichtung der jeweiligen Orte in eine Collage gebracht. Es ergibt im Uhrzeigersinn gelesen ein GehDicht, entstanden als Soziale Skulptur. Bislang kreisen drei dieser UmKreisGehDichte mit insgesamt 24 FensterFotos.

In der Hochphase der Pandemie wurde die Künstlerin auf unseren virtualum Instagram Kanal aufmerksam. Zur selben Zeit beschäftigte sie bereits die Frage wie Kunst noch aussehen könnte. Sie fragte sich, auf welche Weise sie als Kunstschaffende mit anderen interagieren könne auch wenn es derzeit keine realphysischen Ausstellungen gab.
Deutschland gilt sprichwörtlich als „das Land der Dichter und Denker“. Dazu stellte Anna Ribeau sich die Frage, wo das Land der Dichter überhaupt sei. Für sie sei es ein grenzenloser Raum, dort wo man mit Worten umgehe. Die Antwort liefere das Wort selbst, darin steckten die Worte „Wo“ und „Ort“. Es sei ein gegenwärtig sein. Deswegen sei es egal, wo es stattfinde, ob im virtuellen oder im realen Raum.

Mit den WortOrten will die Dichterin Bewusstseinsräume für Worte schaffen, in denen die Sprache und das Wort als eines der wichtigsten Kommunikationsmittel der Menschen wertgeschätzt werde. Anna Ribeau möchte mit virtualum einen digitalen Ausstellungsort kreieren, der grenzenlos ist, also unabhängig von Raum und Zeit ist und das Wort neu anerkennt. Der Ort soll für jede und jeden zugänglich sein, auch für Menschen, die sich nicht selbst in einen realphysischen Ausstellungsraum begeben können.

In unserem nächsten Blogbeitrag wird der Entstehungsprozess Anna Ribeaus virtuellen WortOrtes geschildert.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

X